Einladung zum Träumen

Einladung zum Träumen

Es interessiert mich nicht, wie du deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich will wissen, wonach du dich so sehr sehnst, dass es dir wehtut, und ob du davon zu träumen wagst, dem zu begegnen, wonach sich dein Herz verzehrt.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, wie deine Sterne stehen. Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leids berührt hast, ob dich der Verrat des Lebens geöffnet hat oder ob du dich zusammengezogen und verschlossen hast aus Furcht vor weiterem Kummer. Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz, meinem und deinem eigenen, dasitzen kannst ohne zu versuchen ihn zu verbergen, zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen, ob du Freude empfinden kannst, meine und deine eigene; ob du voller Wildheit tanzen und dich von den Finger- bis zu den Zehenspitzen in einen Rausch versenken kannst, ohne zu mahnen, vorsichtig zu sein oder realistisch oder an die Grenzen des Menschseins zu erinnnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und deinen eigene Seele nicht verrätst. Ich will wissen, ob du treu sein kannst und von daher vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn sie nicht jeden Tag sichtbar ist, udn ob du dein Leben aus ihrer Gegenwart speisen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem. Und trotzdem noch am Ufer des Sees stehen und dem Silber des Vollmondes „Ja“ zurufen kannst.

Es interessiert mich nicht zu erfahren, wo du lebst und wieviel Geld du hast. Ich will wissen, ob du nach einer Nacht voller Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, ausgelaugt und zermartert, und tun kannst, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wen du kennst oder wieso du hierher gekommen bist. Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen und nicht zurückschrecken wirst.

Es interessiert mich nciht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von innen aufrecht erhält, wenn alles andere wegfällt. Ich will wissen, ob du mit dir alleine sein kannst, und ob du die Gesellschaft, die du in diesen einsamen Momenten hast, wahrhaft magst.

Oriah Mountain Dreamer, 1995

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