Sind Globuli wirkungslos?

Sind Globuli wirkungslos?

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Im Tagesanzeiger vom 28. August 2010 fand sich ein kritischer Artikel des Sektenspezialisten Hugo Stamm über die Homöopathie. 

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Anbei der Text im Original zitiert:

„Sind Globuli wirkungslos?

Täglich greifen viele Menschen zu Kügelchen und Tinkturen, die so geheimnisvolle Namen wie Acidum cabolicum oder Carbo vegetabilis tragen. Manche Personen haben stets ein
Notfallset bei sich. Während die meisten bei den Lebensmitteln die Inhaltsstoffe studieren, schlucken sie diese Mittelchen bedenkenlos. Tatsächlich haben fast drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer schon homöopathische Medikamente benutzt, rund ein Drittel tut es regelmässig. Die Welt der Globuli gilt als sanft, die Gemeinde der Gläubigen vertraut darauf blind.

Die wenigsten kennen die homöopathischen Theorien und wissen, was effektiv in den Mitteln steckt. Die lange Liste der Substanzen enthält denn auch ein paar unappetitliche Ingredienzien. Die Hersteller töten zum Beispiel Tiere und zerhacken sie. Darunter Kakerlaken, Kreuzspinnen, Waldameisen. Verwendet werden auch Eierstockextrakte, Sekrete von Stinktieren, Schlangengifte oder Ausscheidungen von Pottwalen. Im Dschungel der Tinkturen und Globuli haben nur noch Spezialisten den Überblick, gibt es doch Tausende von Mitteln und Potenzen. Patienten sind da rasch überfordert.

 

Gegen Malaria nicht geeignet

In jüngster Zeit schlägt den Homöopathen jedoch ein rauer Wind entgegen. Kritiker erinnern daran, dass es den Fachleuten in den letzten zwei Jahrhunderten nicht gelungen sei, eine plausible oder wissenschaftlich fundierte Erklärung für die Wirkungsweise der magischen Kügelchen zu liefern.

Der prominenteste Kritiker ist der weltweit erste Professor für Komplementärmedizin, der deutsche Arzt Edzard Ernst, einst selbst ein Homöopath. Er hat klinische Studien durchgeführt und 200 Untersuchungen ausgewertet. Sein Fazit: «Homöopathie ist eine widerlegte Methode.» Den Protest der Homöopathen konterte er mit einem Gegenangriff: Ernst versprach jedem 100’000 Dollar, der die Wirksamkeit der Heilmethode nachweisen kann. Bis heute musste er noch keinen Cent bezahlen.

Unterstützt wird Ernst vom britischen Psychiater Ben Goldacre. «Die Leute zahlen, um von einer vermeintlichen Autoritätsperson belogen zu werden.» Ein Beispiel: Touristen wollten oft keine Malaria-Prophylaxe betreiben, weil die Medikamente Nebenwirkungen zeigten. Deshalb schluckten sie auf Anraten eines Homöopathen einfach Globuli. Schon mancher sei deshalb nach einer Malaria-Ansteckung beinahe gestorben.

Vor wenigen Wochen hat der britische Ärztebund ultimativ erklärt: Homoöpathie ist Hexenzauber. Bei den knappen Mitteln im Gesundheitswesen sei es unverantwortlich, Geld für Quacksalberei auszugeben. Der Protest gilt auch der Königsfamilie, die seit Jahrzehnten ihre schützende Hand über die Homöopathie hält. Die Royals schlucken selbst bei jeder Unpässlichkeit homöopathische Mittel. Im Februar protestierten Hunderte von Skeptikern in mehreren britischen Städten gegen die staatliche Unterstützung. Sie zogen zu Apotheken, kauften Globuli und schluckten gemeinsam ganze Fläschchen. Trotz massiver Überdosis spürten sie keine Reaktion.

Tatsächlich glauben Homöopathen, ihre Methode helfe gegen alle Leiden. Der Homöopathieverband Schweiz dazu: «Grundsätzlich können alle akuten und chronischen Krankheiten behandelt werden, ob sie nun physischer oder psychischer Natur sind.» Er behauptet auch, Homöopathie sei eine «wissenschaftliche Therapie».

 

Auch bei Badeunfällen geeignet

Der deutsche Arzt und Homöopath Jens Wurster schrieb gar ein Buch mit dem Titel «Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore». Darin dokumentiert er die angebliche Heilung von Krebskranken.

Das Expertenportal für Homöopathie vnr.de erklärt, die Homöopathie wirke auch bei Badeunfällen. Bei gefüllter Lunge müsse Antimon tartaricum verabreicht werden, bei Atemstillstand Camphora (Kampfer), und wenn der Verunfallte bereits einen eiskalten Körper habe und dunkelviolett angelaufen sei, solle ihm Carbo vegetabilis (Holzkohle) verabreicht werden. Wie er die Mittel schlucken soll, wird nicht verraten.

Die meisten Globuli-Konsumenten reagieren gelassen auf den Glaubenskrieg und vertrauen weiter auf die Wirkung der Kügelchen. Sie gewichten die eigenen Erfahrungen höher als die Argumente der Fachleute und deren Studien. So viele Patienten können sich nicht irren, argumentieren sie. Deshalb halten sie sich an die Losung: Wer heilt, hat recht. Nach überstandener Krankheit schreibt man die Genesung lieber der sanften, sympathischen Homöopathie zu als der nüchternen Schulmedizin.

 

Stärkere Wirkung durch Verdünnung

Der Begründer der Homöopathie war Samuel Hahnemann (1755–1843). Der deutsche Arzt hatte bei einem Selbstversuch angeblich herausgefunden, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen Beschwerden auslöst, einen Kranken heilen kann. Hahnemann nahm daraufhin Chinarinde zu sich, die seinerzeit zur Bekämpfung der Malaria verwendet wurde, und stellte danach malariaähnliche Symptome bei sich fest. Daraus leitete er den Lehrsatz ab: Ähnliches kann mit Ähnlichem geheilt werden. Zum Beispiel: Als Hahnemann herausfand, dass Patienten auf das hochgiftige Schwermetall Thallium mit Haarausfall reagierten, setzte er den Stoff gegen Haarausfall ein. Natürlich verdünnt.

Damit schuf er ein zweites, ungelöstes Problem: Hahnemann und seine Nachfolger behaupten, mit der Verdünnung werde die Wirkung verstärkt. Die Homöopathen sprechen von Potenzierung. Diese These widerspricht aber allen bekannten Naturgesetzen. Wenn Sirup verwässert wird, schmeckt er nicht mehr nach Sirup.

Dieses Paradox erklären viele Homöopathen so: Das Wasser nimmt beim Verdünnen und Verschütteln die Information des Wirkstoffes auf. Doch auch diese These findet keine Bestätigung in der Naturwissenschaft. Das Phänomen, dass Wasser ein Gedächtnis habe, wird höchstens noch in der Esoterik propagiert. Für Kritiker ein weiterer Widerspruch: Würde unser Wasser Informationen von andern Substanzen übernehmen, wäre es wohl nicht mehr trinkbar. Denn es ist im Lauf der Jahrmillionen mit Gift in Berührung gekommen, der homöopathischen Theorie zufolge müsste es verseucht sein. Und: Wenn sich durch das Potenzieren die Wirkung verstärkt, müsste dies nicht auch für die Nebenwirkungen gelten?

Homöopathen halten entgegen, die Mittel entfalteten ihre Wirkung nicht wie pharmazeutische Medikamente. Globuli unterstützten vielmehr den vom Körper angeregten Heilungsverlauf. Sie verweisen weiter darauf, dass Globuli auch bei Säuglingen und Tieren wirkten. Fazit: Die Verfechter der sanften Heilmethode weisen die wissenschaftlichen Befunde zurück. Der Zürcher Homöopath Marco Righetti erklärt: «Fast alle Studien über die Homöopathie missachten die Grundlagen und Grundregeln der Homöopathie, sind praxisfremd und meist ohne jegliche Praxisbedeutung.»

 

Alles nur Placebo-Effekt?

Die Mittel müssten bei jedem Patienten individuell angepasst werden, sagt Righetti. Dies verunmögliche Doppelblindstudien, wie sie bei der Prüfung von Medikamenten angewendet werden. (Bei Doppelblindstudien wird der Hälfte der Testpersonen das zu testende Medikament abgegeben, der andern Hälfte ein Mittel ohne Wirkstoffe.)

Homöopathen führen gerne übersinnliche Gründe an: Es gebe zwischen Himmel und Erde viele Phänomene, die sich unserer Ratio noch entzögen.

Kritiker wie Edzard Ernst halten entgegen, Globuli bewirkten einen relativ hohen Placebo-Effekt, seien also eine Art Scheinmedikament. Der Berner Immunologie-Professor Beda Stadler wirft den Homöopathen vor, sie würden den Placebo-Effekt als Wirkung der Globuli interpretieren. Viele leichtere Krankheiten würden ohnehin spontan abklingen. Verschwinde das Leiden nach der Einnahme von Globuli, werde die Heilung irrtümlicherweise dem homöopathischen Mittel zugeschrieben.

Die Homöopathie kennt drei Potenzen (Verdünnungsverhältnisse): D, C und Q. D-Potenzen werden im Faktor 1:10, C-Potenzen 1:100, Q-Potenzen 1:50’000 gemischt. Das Verdünnungsprozedere in den drei Kategorien kann endlos wiederholt werden. D9 bedeutet beispielsweise ein Verhältnis von 1:1 Milliarde (entspricht einem Tropfen in einem grossen Tanklastwagen), D23 führt zu einem Verhältnis 1:100 Trilliarden. Bei einer hohen Q-Potenz würde man im ganzen Universum kaum mehr ein Molekül finden.

Manche Apotheken potenzieren ihre homöopathischen Mittel selbst, was sehr lukrativ sein kann. Aus 1 Liter Grundstoff, den der Apotheker beispielsweise für 500 Franken kauft, kann er bei hohen Potenzierungen unendlich viele Fläschchen gewinnen und Margen von mehreren Zehntausend Prozent erreichen. Seine Arbeit dabei: fleissig schütteln. Es gibt Apotheken, die 20’000 verschiedene Mittel führen.“

 

Kommentar:

In der Tat wird Homöopathie von vielerlei Leuten wie eine Religion behandelt! Das ist immer so, wo etwas nur schwer erfasst werden kann und deshalb den Anschein macht, als handle es sich um eine reine Glaubenssache. Dabei ist vorgängig anzumerken, dass bereits in der Bibel steht „dein Glaube hat dir geholfen“ – den Glauben darf man deshalb jedem lassen, auch Herrn Stamm. Doch Homöopathie ist mehr als eine Glaubenssache. Jederman, der sich einmal die Mühe genommen hat, eines oder mehrere Mittel auf dessen Wirkung zu prüfen, kann die Wirkung testen. Da die Zweifler ja von vornherein gar nicht an die Wirkung der Homöopathie glauben, sollte es ja diesen besonders leicht fallen, sich einem solchen Test zu unterziehen, natürlich mit der nötigen kritischen Haltung, versteht sich! Sollte jemand dazu doch zu wenig mutig sein, nehme für diesen Versuch ein paar Tiere – dazu ist sich ja die Wissenschaft auch sonst nicht zu schade.

Und wer’s wissenschaftlich mag, befasse sich mit den Studien von Prof. Harisch, Endler et al:  Prof. HARISCH, med. Hochschule Hannover 1985 -1992 untersuchte die Wirkung verschiedener Homöopathika ( und verschiedener Potenzen ) auf die Enzymwerte im Blut von Versuchstieren AHZ 241, 3/ 1996,S 122- 129. Ergebnisse wurden auch mit D 30 erzielt, am stärksten mit D8. Auch die Beeinflussung von chemischen Reaktionen von Mastzellen und Leberzellen konnte gezeigt werden. Diese Effekte konnte nicht anderweitig erklärt werden.

  • Harisch G. et al.: Beitrag zum Leberstoffwechsel der Ratte nach Tetrachlorkohlenstoff unter dem Einfluss von Nux vomica D6 bzw. Flor de Pedra D4 – Erste Befunde. Allgemeine Homöopathische Zeitung 229/5:190-199, 1984.
  • Harisch G und Kretschmer M.: Jenseits vom Milligramm. Springer, Berlin, 1990.
  • Harisch G und Kretschmer M.: Effekte homöopathischer Präparationen im Zellstoffwechsel. J + V Edition (Wiener Dialog über Ganzheitsmedizin), Wien, 1988.
  • Harisch G und Kretschmer M.: Homoeopathic Research with Biochemical Methods. Berlin J Research Homeopathy 1:69-76, 1990.

ENDLER publizierte 1994 – 1996 mehrfach wissenschaftlich reproduzierbare Ergebnisse, welche zeigten, dass Thyroxin D30 (potenziertes Thyroidhormon) die Aktivität und die Metamorphosenrate von Fröschen signifikant unterdrückt

  • Endler P.C. et al.: A zoological example on UHD research. Energetic coupling between the dilution and the organism in a model of amphibia. In: Endler PC, Schulte J (eds) Ultra high dilution, physiology and physics. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht: 39-68, 1994.
  • Endler P.C. et al.: Non-molecular information transfer from thyroxine to frogs. In: Bastide M (ed) GIRI-vearbook. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht. 1996
  • Endler P.C. et al.: The effect of highly diluted agitated thyroxine on the climbing activity of frogs. J Vet Hum Tox 36, 1:56-59, 1994.

WOLTER z.B. arbeitete über die Beeinflussung der Geburt durch homöopathische Potenzen gemacht. Caulophyllum D30 hat sich in blind-geführten Studien als ein wirksamer Wehenstimulator bei Mutterschweinen erwiesen.

  • Wolter H.: Wirksamkeitsnachweis von Caulophyllum D30 bei der Wehenschwäche des Schweins. In: Gebhardt, K.H.: Beweisbare Homöopathie, 2.Ed. Haug, Heidelberg. 1985

Eine Anmerkung noch zur Zeitung: wer einen Fachartikel schreibt und darin noch nicht einmal den Begriff „Acidum Carbonicum“ richtig schreiben kann, verdient es nicht, solche Fachartikel veröffentlichen zu dürfen…

„Ein Heiler, der getrieben wird, Heilkräfte durch sich wirken zu lassen, ohne deren Einsatz im Sinne eines Handwerks von Grund auf zu beherrschen, wird zum Spielball der durch ihn wirkenden Kräfte.

Ein Arzt, der sich in seinem Wirken allein auf die Vollendung der Form beruft, ohne dem Wirken einer von ihm nicht zu bestimmenden Heilkraft Raum zu geben, betreibt intellektuelle Selbstbefriedigung.“

 

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