Ritual für die Rauhnächte: einen Mann backen!
Ritual für die Rauhnächte

Ritual für die Rauhnächte: einen Mann backen!

BEDEUTUNG DER RAUHNÄCHTE

Im Anschluss an die Wintersonnwende gibt es die Tradition der Rauhnächte.

Die Bedeutung des Wortes „Rauhnacht“ ist umstritten. Einer  Ansicht zufolge geht es auf das mittelhochdeutsche Wort rûch ‚haarig‘ zurück, das heute in dieser Bedeutung für Pelzwaren noch in Verwendung ist. Es würde sich dabei auf mit Fell bekleidete Dämonen beziehen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben, oder aber vielleicht auf Rituale rund um das Nutzvieh.

Eine andere Herleitung des Wortes Rauhnacht geht vom traditionellen Beräuchern der Ställe mit Weihrauch durch den Priester oder den Hofbauern aus. Diese Interpretation ist ebenfalls recht alt, schon Johannes Boemus (1520) und Sebastian Franck (1534) berichten über das Beräuchern: „Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey.“

Der gebackene Mann - Ritual für die Rauhnächte

Je nachdem, ob man die erste oder die zweite Deutung bevorzugt, wird die jeweilige andere als sekundäre Umdeutung interpretiert. Die Bezeichnung Glöckelnächte bezieht sich auf das „Glöckeln“, von Tür zu Tür gehen und anläuten, einen Einkehrbrauch, den das Christentum mit der Segnung des Hauses durch die drei Könige „Kaspar, Melchior und Balthasar“ übernomment hat. 

Die Germanen zelebrierten mit dem Yul-Fest den Neubeginn des Jahreskreises, Baldurs Abstieg und Wiederaufstieg aus dem Totenreich. Das Yul-Fest dauerte 12 Tage, welche den Ausgleich zwischen Sonnen- und Mondkalender symbolisieren und weder zum alten noch zum neuen Jahr gehörten. Yule bedeutet Rad. In den 12 Rauhnächten durften sich die Räder der Menschen nicht drehen, weil die Zeit stillsteht, wenn Sonne und Mond in Harmonie sind. Allerdings nur scheinbar still, denn diese Zeit war auch eine Zeit der Magie – wer steigt schon aus dem Totenreich wieder herauf..?

Je nach Bezug zum Magischen versetzte diese Vorstellung schon damals die Menschen in Angst und Schrecken. Denn wenn sich die Türen zur Unterwelt öffnen, können Dämonen emporsteigen. Um diese zu bekämpfen gab es beispielsweise den obig beschriebenen Brauch des Glöckelns.

Bei etwas weniger ängstlichem Umgang konnte man von dieser Möglichkeit, die die offene Tür zum Jenseits auch darstellte, profitieren, indem man das Orakel befragte. Wir kennen diesen Brauch heute noch in Form des Bleigiessens an Silvester.

In der heutigen Zeit wissen wir als „aufgeklärte“ Menschen, dass Dämonen immer nur nicht verwirklichtes Potenzial unserer Selbst ist – oder etwa nicht? Wie wäre es daher mit einer Orakelbefragung zum Jahresende?

In der Bretagne, in Wales und Schottland galten im 19. Jahrhundert galten die Rauhnächte für unverheiratete Frauen als  Gelegenheit, um Mitternacht an einem Kreuzweg oder einem anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Seine Gestalt erschien dann und ging schweigend vorüber, und das Mädchen durfte sie weder ansprechen noch ihr nachschauen, weil dies den Tod bedeutet hätte.

Einen Mann backen - Rezept

RITUAL FÜR DIE RAUHNÄCHTE: EINEN MANN BACKEN (NUR FÜR FRAUEN, ABER DIE MÄNNER HABEN GARANTIERT AUCH ETWAS DAVON…)

Man nehme für den gewünschten Backmann ca 400g Lieblings-Grundteig, je nachdem, wie kräftig man sich den Mann wünscht.

Nach Belieben und in gewünschter Ausstattung, nackt oder angezogen, je nach dem mit symbolischen Utensilien, formen.

Teigmann backen - Ritual für die Rauhnächte

Auf Backpapier backen, damit er nicht kleben bleibt. Abkühlen lassen. Foto für später machen.

Essen, ihn sich einverleiben: Achtung: nicht teilen! Nicht mit der Mutter! Nicht mit der besten Freundin! Und auch nicht mit den Kindern! Und auch nicht verschenken!

Und dann das ganze Thema getrost vergessen… ein Pfeil trifft sein Ziel erst, wenn man ihn loslässt!

PS: Warum nur für Frauen? Die Frau wählt (mit ihrem Blick) und gibt dem Mann dadurch die Gelegenheit, sich ihr zu nähern.

Beispiele für Zutaten, nur qualitativ hochwertige, Liste beliebig erweiterbar:

Mehl grundsätzlich: Will ich einen Öko oder einen Lebemann? Oder beides?…
Roggenmehl: bodenständig, vielleicht etwas schwer verdaulich
Weizenmehl: lichtvoll, Energie verpufft schnell
Gerstenmehl: nervenstark
Hafermehl: feurig, ergibt einen wirklichen Hengst
Amaranth: Unsterblichkeit
Buchweizenmehl: der zentrierte Geist

Backmann - Ritual für die Rauhnächte

Zucker und Butter: Verwöhnfaktor
Salz: für den Geschmack im Leben
Hefe: je nachdem, wie sehr er „aufgehen“ darf später…
2 Eier: logisch.
Etwas Milch: für einen mit gutem Mutterkontakt (kann auch Reismilch sein)
Honig: paradiesische Erinnerung, damit er weiss, wie sich das Paradies anfühlt
Vanille: Geborgenheit
Milchreis: einen gewissen kindlichen Aspekt
Weissdorntinktur: für ein gutes, gesundes Herz
Chili: wenn er scharf sein darf
Prinzenrolle: zerbröselt reingeben: ich will einen König – oder gleich etwas Blattgold
Tonkabohne: In Südamerika werden ihr grosse magische und heilende Kräfte zugesprochen, als Schutzamulett gegen Krankheiten, in der Geldbörse für Wohlstand und Erfolg sowie zur Erfüllung von Wünschen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt… viel Spass!

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